Website-Icon outdoorpashionists

Silvester im One-Million-Stars-Hotel am Spitzingsee

wunderkerzen

Das Vorhaben

Nachdem wir Silvester letztes Jahr ganz klassisch bei Freunden gefeiert hatten, zog es uns dieses Jahr wieder raus – zumal wir auch noch gar nicht zu viert im Winter in unserem Bus genächtigt hatten. Das war in zweierlei Hinsicht spannend: Während zwei Erwachsene plus ein kurzes Kind noch ganz gut unten schlafen konnten, war das nun zu viert definitiv nicht mehr möglich. Sprich, einer von uns Vieren musste bei -6 Grad im Aufstelldach schlafen –  das Los entschied, dass Peter der Glückliche sein würde ;-). Zum anderen wussten wir nicht, ob unsere Standheizung die Nacht durchhalten würde, wenn sie permanent lief. Da sie uns schon ein paar Mal in den frühen, besonders kalten  Morgenstunden batteriebedingt im Stich gelassen hatte, hatten wir sie die letzten Male immer in Intervallen laufen lassen. Wir vermuteten jedoch, dass die parallel laufende Kühlbox schuld daran war und beschlossen, sie diesmal über Nacht auszuschalten und die Standheizung auf niedriger Stufe durchlaufen zu lassen.

Der Abend

Als Location haben wir den direkt am Spitzingsee gelegenen Wohnmobilstellplatz bei der Taubensteinbahn auserkoren. Unser ursprünglicher Plan war, abends zur Oberen Firstalm zu laufen und runter zu rodeln. Nur leider hatte uns Frau Holle mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht: Weiß waren lediglich die beschneiten Pisten und der komplett zugefrorene Spitzingsee. So sind wir stattdessen mit einem Kind auf dem Rücken, einem am Bauch und je zwei Fackeln einmal um den See gelaufen, bei einer ganz eigenartigen Stimmung, mit dem Grollen und Jaulen, das der zugefrorene See von Zeit zu Zeit von sich gab und den verfrühten Silvesterraketen.

Wieder zurück am Bus gab’s dann erstmal Glühwein bzw. Kinderpunsch bei Schwedenfeuer und Kerzenschein. Angesichts unserer knurrenden Mägen waren wir dann doch ganz froh, dass wir auch unser Vohaben zu grillen wieder verworfen hatten. Stattdessen hatten wir zuhause Chili  vorgekocht, das wir jetzt nur noch auf dem Gaskocher aufwärmen mussten. Anschließend ging die kinderfreundliche Silvestersause los, mit Luftschlangen im und Riesenwunderkerzen vor dem Bus. Um viertel vor zwölf lagen dann endlich beide Kinder friedlich schlummernd im Bus und wir konnten in aller Ruhe den Premiumausblick aus unserem Bus auf die Feuerwerke der zahlreichen Hütten oberhalb des Spitzingsees genießen.

Die Nacht

Peter kippte sich noch einen letzten Glühwein rein, bevor er mit dicker Merinounterwäsche und zwei Schlafsäcken ins Aufstelldach verschwand. Damit die Wärme nicht durch das Dach verpuffte, haben wir die Luke mit der Lamellendachjalousie verschlossen und darüber noch eine Alu-Frontscheibenabdeckung gelegt. Anders als bei einem Zelt, wo die Luftschicht zwischen Innen- und Außenzelt eine gewisse Isolierung bietet, isoliert der einwandige Zeltbalg des Aufstelldachs quasi gar nicht. Und so war die Nacht für Peter kälter als an Silvester vor 3 Jahren, als wir auf dem Herzogstand gezeltet hatten. Unten im Bus war’s zwar mollig warm, aber da Jakob gerade den 4-Monats-Sprung macht und nachts alle 2 Stunden Heißhungerattacken hat, war die Nacht auch für mich nicht sonderlich erholsam.

Irrglaube Nr. 1

„Wenn Nora erst so spät ins Bett geht, schläft sie bestimmt richtig lang“. Dem war natürlich nicht so. Pünktlich um 7 war sie topfit. Wobei, angesichts der Tatsache, dass sie an den Wochenenden des Öfteren schon um halb 6 auf der Matte steht, war das ja schon fast Ausschlafen für uns.

Irrglaube Nr. 2

„Wenn wir so früh schon wach sind, können wir ja endlich mal früher zum Wandern aufbrechen“. Denkste. Bis wir unseren Bus vom Schlafmodus in den Frühstücksmodus versetzt hatten, die Weißwürste auf die richtige Temperatur gebracht hatten und die 10 Stück (!) zu dritt verspeist hatten, die Kinder mehrfach gewickelt und in 20 Schichten eingepackt hatten, den Rucksack und die Kraxe befüllt hatten und den Bus auf Anweisung des Parkwächters um 90 Grad gedreht hatten, war’s 12.

Unsere erste Wanderung in 2017

Unser Ziel war die auf 1.400 m gelegene Schönfeldhütte, also mit gut 300 hm eine recht gemütliche Runde. Zunächst ging’s quer über den See, auf dem sich inzwischen bei strahlendem Sonnenschein halb München auf Schlittschuhen, Schlitten und Bierbänken tummelte, mit Kinderwägen, Hunden und Katern. Mit einem Zwischenstopp auf der öffentlichen Toilette in Spitzing und Noras Entschluss, selber zu laufen, haben wir für den ersten Kilometer schon eine Stunde gebraucht. So waren wir dann auch erst um viertel vor 3 auf der zwischen Taubenstein und Jägerkamp sehr malerisch gelegenen Schönfeldhütte. Und gerade rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheit um 5 wieder unten am Bus – ziemlich geplättet aber happy.

Fazit

Dieses Silvester wird mit Sicherheit eines der Silvester sein, an das wir uns auch in 20 Jahren noch gut und gerne erinnern werden und es wird definitiv nicht unser letztes Outdoor-Silvester gewesen sein. Mit zwei kleinen Kindern im Winter im VW-Bus mit Aufstelldach zu übernachten, erfordert gute Nerven, viel Zeit (Essen zuhause vorzukochen hat sich als sehr sinnvoll erwiesen), eine funktionierende Standheizung und einen megadicken Schlafsack für den, der oben schläft. Wir haben uns nun dazu entschieden, uns eine „Mütze“ für unser Aufstelldach zuzulegen, die bei Kälte ähnlich wie ein Zelt isoliert und das Dach auch vor Regen schützt. Über unsere Erfahrungen damit werden wir beizeiten berichten.

Die mobile Version verlassen