Nepal – Annapurna Trek mit dem Mountainbike

Am Thorung La Pass auf 5416 m

Mittlerweile ist es genau 4 Jahre her, dass wir die Annapurna-Runde mit unseren Bikes machten – damals noch ohne Kinder und ohne Ehering an den Fingern. Nachdem wir es aber bis auf 5.416m auf den Thorung La Pass schafften, spielte uns der Sauerstoffmangel in die Karten. Der eine zu benebelt, um aufgeregt zu sein, die andere zu „dizzy“, um nicht das Ja-Wort zu geben. 😉

Vorab gleich ein paar Zahlen und Fakten zu unserer Runde:

Fakten:
– 14 Tage auf dem Annapurna Trek, davon 11 Tage auf dem Bike, 2 Tage Wandern, 1 Tag Akklimatisierung in Manang
– Circa. 9.200 hm
– 280 km
– Höchster Punkt: Thorung La Pass auf 5.416 m

Streckeninformation:
Anfahrt mit dem Jeep: Kathmandu-Besisahar

Auf dem Trek:
Tag 1: Besisahar-Jagat
Tag 2: Jagat-Dharapani
Tag 3: Dharapani-Chame
Tag 4: Chame-Pisang
Tag 5: Pisang-Manang
Tag 6: Akklimatisierung Manang
Tag 7: Manang-ShreeKharka
Tag 8: Shree Kharka-Tilicho Base Camp (Wandern)
Tag 9: Tilicho Base Camp-Tilicho Lake-Shree Kharka (Wandern)
Tag 10: Shree Kharka-Yak Kharka
Tag 11: Yak Kharka-Thorung High Camp
Tag 12: Thorung High Camp-Muktinath
Tag 13: Muktinath-Tatopani
Tag 14: Tatopani-Beni und anschließend mit dem Jeep nach Pokhara

Hier unsere Route auf Google Maps ab Kathmandu und ohne Sidetrip zum Tilichosee:

Beste Reisezeit:

April/ Mai und Oktober/ November sind die besten Reisezeiten. Uns wurde gesagt, dass es im April/ Mai zwar viel wärmer ist, allerdings aufgrund der Staubstürme die Berge nicht so wirklich schön zu sehen sind. Daher haben wir uns für Oktober/ November entschieden und ein bisschen mehr Kälte in Kauf genommen. Dafür waren die Bergblicke im Marsyangdi- und Kali Gandaki-Tal traumhaft.

Tipps für Nachahmer:

  • Pemba Lama Sherpa und seinen Porterguide Sancha würden wir uneingeschränkt empfehlen und können gerne Kontakt herstellen
  • Bike-Guide von Birgit Wenzl und Frank Hartl inkl. GPS-Tracks, Packliste und vielen hilfreichen Tipps, findet ihr hier http://www.editorial-montana.de/b-annapurna.html
  • Mit Annapurna-Trekking-Karte (gibt es dort für 1,50 EUR überall zu kaufen) ist man bestens gerüstet, einen Bike-Guide haben wir uns gespart
  • Höhenmedizinische „Apotheke“ hatten wir vom Münchner Berg-Mediziner Dr. Treibel – er hat die Runde ebenso gemacht und kann hilfreiche Tipps geben. Wir haben viele Trekker getroffen, die aufgrund der Höhenkrankheit umkehren mussten oder uns nach Diamox fragten. Mit vernünftiger Höhenanpassung und der Höhenmedizin fühlten wir uns relativ safe
  • Langsame Höhenanpassung bringt weniger Kopfschmerzen und mehr Spaß. Kleinere Akklimatisationswanderungen würden wir empfehlen, nach dem Motto „Walk high, sleep low“
  • Jeep zum Ausgangspunkt buchen, auch wenn das etwas teuer ist. Da die Straßen ziemlich schlecht sind, müssen die Bikes gut untergebracht und gepolstert werden. Öffentliche Busse würden wir nicht empfehlen, denn da landen sie auf dem Dach und kommen sicherlich nicht heil an
  • Flug mit Oman Air – Biketransport kostenlos
  • Transport der Bikes in Bike-Kartons, die man in der Regel kostenlos bei einem Händler bekommt
  • Sehr warme Daunenjacken und Merinounterwäsche, denn in der Höhe ist es richtig kalt und ab Manang gibt es eigentlich keine Duschen mehr
  • Genügend Micropur Forte zur Trinkwasserreinigung
  • Die wichtigsten Ersatzteile für die Bikes mitnehmen, da es auf der gesamten Strecke keinerlei Bikeläden gibt: Ersatzmäntel, Schläuche, Schaltauge, Kettennietstifte, Bremsbeläge, Schnellspanner, Schaltzüge

Im Folgenden ein kurz gehaltener Bericht unserer Runde und ich gebe offen zu: Es war nicht einfach, sich kurz zu halten. Auch nach vier Jahren sind wir immer noch von der Annapurna-Runde, von der Landschaft, den netten Nepalesen und dem Abenteuer völlig fasziniert. Umso mehr waren wir geschockt, dass zwei Jahre später zur gleichen Jahreszeit 29 Trekker auf der Annapurna-Runde aufgrund unerwarteten Wintereinbruchs ums Leben kamen.

Ein Pionier

Eine gute Mischung aus Abenteuer, körperlicher Herausforderung, kultureller Erfahrung und unendlich vielen Eindrücken. So bleibt uns der Annapurna Circuit in Erinnerung. Er gilt eigentlich als eine der schönsten Trekkingrouten der Welt und zieht sich um die Annapurna-Kette in Nepal. Wir sind nicht die ersten, die die Runde mit dem Mountainbike befahren wollen, aber wir kommen uns manchmal vor wie Exoten, wenn uns Trekker zum hundertsten Mal fotografieren.

Ein Pionier ist Pemba Lama Sherpa. Als wir ihn am Vorabend unserer Abfahrt nach Besisahar in Kathmandu treffen, erzählt er uns von seiner ersten Annapurnaumrundung mit Hardtail und kleinem Rucksack im Jahr 1988. Über ihn haben wir unsere Trekking-Permits, Sancha – unseren Porterguide – und die Fahrten von Kathmandu nach Besisahar und von Pokhara zurück in die nepalesische Hauptstadt organisiert. Er betreibt eine Agentur und hat schon viele Expeditionen und Trekkingtouren in den Gebieten des Mount Everest, Manaslu und Annapurna organisiert und mit Portern oder Porterguides unterstützt. Im Jahr vor unserer Tour hat sein Porterguide Sancha bereits die Annapurna-Mountainbiketour von zwei Münchnern begleitet. Wir sind zeitweise sehr froh darüber, dass er Erfahrung mit dem Transport von Bikes und den empfindlichen Scheibenbremsen hat.

bikemontage-peter 

Vorstartreaktion

In Besisahar angekommen, sind wir erleichtert, dass unsere Bikes den Flug im Bike-Karton und die holprige Fahrt im Jeep ohne Schäden überstanden haben. Schon beim Ausladen der Bikes sind wir die Hauptattraktion im Ort. Hier treffen sich sehr viele Trekker und Bergsteiger, brechen in Richtung Manaslu oder Annapurna auf oder kommen von Touren zurück. Mountainbiker sind nach wie vor ein seltener Anblick. Am Abend erzählt eine holländische Familie von der Umkehr auf dem Trek. Der Vater ist auf der Akklimatisierungswanderung zum Tilicho Lake höhenkrank geworden. Zum ersten Mal bin ich ziemlich aufgeregt vor unserem Start am nächsten Morgen und eigentlich ganz froh, dass wir ein höhenmedizinisches Notfallpackage inklusive Pulsoxymeter dabei haben, mit dem wir unsere Sauerstoffsättigung bis zum Pass auf 5.416m täglich messen werden. Andererseits bin ich gespannt, wie unsere Körper die Höhe vertragen.

Erste Höhenmeter auf dem Trek

Bis ins ca. 75 km entfernte Chame auf 2.700 m werden wir größtenteils auf einer unbefestigten Straße fahren, auf der auch Jeeps unterwegs sind, in denen hauptsächlich Porter mit dem Gepäck der Trekker unterwegs sind. So auch unser Träger Sancha, der sich um unseren knapp 30 kg schweren Rucksack kümmert. Wir selbst haben nur unsere 30 l Rucksäcke (Evoc Freeride Tour) am Rücken. Kurz nach dem Start in Besisahar treffen wir auf den Fluss Marsyangdi, in dem sich eine Herde Wasserbüffel badet. Den Fluss, der sich durch das gleichnamige Tal schlängelt, werden wir in den nächsten Tagen ein paar Male überqueren. Nach dreieinhalb Stunden, knapp 1.000 hm und 32 km kommen wir bereits um die Mittagszeit in Jagat an. Das erste Mal bestellen wir uns eine große Kanne Tee, eine willkommene Abwechslung zum Fluss- und Leitungswasser, das wir mit Micropur-Tabletten reinigen. Auf dem Trek versuchen wir, so wenig Müll wie nur möglich zu produzieren, vor allem Plastikflaschen führen zu enormen Problemen, da es kein professionelles Entsorgungssystem gibt. So kommt es dazu, dass einige Unterkünfte meterhohe Müllberge ansammeln, was wir einige Male mit Erschrecken gesehen haben.

Unsere Etappen sind mit 600 – 1.000 hm (bergauf) sehr human, nicht vergleichbar mit denen einer Transalp. Wir wollen unsere Körper langsam an die Höhe anpassen und es wird neben weniger Kopfschmerzen auch noch den Vorteil haben, dass wir immer recht früh am Zielort sind und Kultur und Land erleben können.

Nepalesische Kids in Dharapani

Akklimatisierungswanderung zum Tilichosee

Am 5. Tag kommen wir in Manang auf 3500 m an. Mittlerweile haben wir unseren Rhythmus gefunden und ein paar Abenteuer erlebt. Kathy hat ihren ersten Sturz auf einer 30 Meter hohen Hängebrücke hinter sich, wir mussten samt Bike einen reißenden Bergbach durchqueren und wir haben verschiedene Klimazonen erlebt – Start unserer Tour in kurzer Bekleidung bei tropischem Wetter, Durchquerung alpiner Landschaften bei Chame und jetzt trockenes, wüstenähnliches Klima mit faszinierenden 7000ern im Hintergrund. In Manang bleiben wir einen Tag zur Anpassung, machen eine Wanderung zur Gangapurna Gletschermoräne, waschen Kleidung und besuchen am Abend das Yak-Kino, in dem wir unseren Film „Into thin air“ frei wählen dürfen.

In den folgenden Tagen geht es über 4.000 m, nach ShreeKharka. Dort lassen wir unsere Bikes stehen und wandern weiter zum Tilicho Base Camp. In der Früh geht es um halb 6 weiter zum Tilichosee und wir kratzen das ersten Mal 5.000 m. Der Weg nach ShreeKharka und weiter zum See ist mit seinen Landslide Areas faszinierend und abenteuerlich zugleich. Am See-Rifugio bereitet uns Sancha Pfannkuchen, die wir bei Eiseskälte und dünner Luft mehr genießen denn je. Unsere Körper verkraften die Höhe sehr gut, bis auf leichte Kopfschmerzen und zeitweise absackende Blutsauerstoffsättigung auf 90%. Beim Abstieg vom Lake geht es über beeindruckende Hängebrücken und wir haben das Glück, einem wilden Yakbullen zu begegnen.

Nach der Rückkehr ins Base Camp skippen wir die eiskalte Dusche und begeben uns in den Gruppenraum, in dem die Öfen eher lauwarm sind. Selbst mit Daunenjacken ist es am Abend ungemütlich kalt und wir freuen uns schon auf die Bewegung am nächsten Tag – die Wanderung zurück nach ShreeKharka.

Die letzten Höhenmeter zum Thorung La Pass

Die Tagestour von Shree- nach YakKharka ist nur 11 km lang und hat ca. 500 hm bergauf. So kommen wir bereits nach etwas mehr als zwei Stunden an. Wir bleiben höhenmäßig auf knapp über 4.000m und fühlen uns nach dem Sidetrip zum Tilicho Lake gewappnet für die Passhöhe. In YakKharka hat uns Sancha eine kleinere Unterkunft organisiert. Am Abend bekommen wir Dal Bhat und Buttertee in der Küche der Gastgeberin, die dort auf offenem Feuer, angeschürt mit getrockneter Yak-Kacke, kocht. Bis zum Pass wollen wir uns fleischlos ernähren, um das Risiko eines Infektes gering zu halten und wir achten genau darauf, welche Hand die Gastgeberin zum Kochen und welche sie für das Nachlegen der Kacke verwendet.

Kathy zum High Camp

Am nächsten Tag starten wir ganz gemütlich erst um 10 Uhr. Zu dieser Zeit sind die meisten Trekker schon längst unterwegs, da wir mit den Bikes aber schneller sind, überholen wir viele von ihnen auf dem Weg ins Thorung High Camp. Wir legen heute fast 900 hm zurück, die letzten 400 hm schultern wir die Bikes und laufen bis zum Tagesziel auf 4.880 m. Im High Camp beziehen wir unsere Quartiere, die bereits bei Sonne eiskalt sind. Im Gruppenraum gönnen wir uns eine große Kanne heißen Tee, der uns zumindest ein paar Stunden warm hält. Die Nacht ist so kalt und die Luft so dünn, dass wir ziemlich schlecht schlafen.

Unsere Blutsauerstoffsättigung liegt in der Früh bei nur 83% und das Anziehen bei -15 Grad macht nicht so wirklich Lust auf die nächsten Höhenmeter. Wir starten gemeinsam mit einigen Trekkern bei vollkommener Dunkelheit um 5.30 Uhr. Der Trail ist zwar nicht mehr so steil, aber die Luft so dünn, dass wir bis zum Pass fast nur schieben. Auf 5.000 hm zählt mein Bike-Computer witzigerweise keine Höhenmeter mehr, so als wolle er nicht mehr weiterfahren. Kurz vor dem Pass auf 5.416m steigen wir nochmal auf die Bikes und radeln die letzten Höhenmeter. Einige Trekker schauen uns so schräg an, als würden wir damit ihren Triumph entehren.

Nach einem kurzen Heiratsantrag und glücklicherweise einem „Ja “ werden wir mit fast 1.700 hm Downhill auf feinstem Singletrail belohnt. Kathy legt gleich zu Beginn einen anständigen Sturz hin, ob der Heiratsantrag oder die Höhenluft Schuld daran hat, bleibt unklar.

Endless Riding nach Tatopani

Angekommen in Muktinath auf 3.760 m gönnen wir uns eine lauwarme Dusche und einen Yak-Burger. Und Verlobungsringe finden wir auch, für umgerechnet 7 €. Wir sind überglücklich, den Pass geschafft zu haben und froh, dass es jetzt wieder in wärmere Höhen geht. Am nächsten Tag starten wir früh zu unserer längsten Etappe mit fast 80 km und mehr als 2500 hm bergab. Auf den ersten 1.000 hm feinstem Downhill gibt es traumhafte Blicke auf den Dhaulagiri mit 8.167m und das Annapurnamassiv. Bei Kagbeni folgen wir dem Kali Gandaki Fluss. Bereits bei Dunkelheit und ziemlich durchgeschüttelt und platt kommen wir in Tatopani an. Nach einem Wasserbüffel-Gulasch gönnen wir uns ein Everest-Bier in den heißen Quellen. Nachdem wir noch zwei Tage vorher bei -20 Grad übernachtet haben, fühlt sich das Bad mit unseren von der Kälte aufgeplatzten Händen an wie Wellness vom Feinsten.

„Ausrollen“ nach Beni und Entspannen in Pokhara

Unsere letzte Etappe führt fast ebenerdig nach Beni. In kurzen Hosen und Shirts kommen wir zur Mittagszeit in Beni an. Die kleine Stadt ist voller Leben und nach 14 Tagen Ruhe ungewohnt laut und stinkend. Mit dem Jeep fahren wir nach Pokhara, wo wir am Phewa See noch 2 Tage relaxen. Vom See aus hat man einen Wahnsinns-Blick auf den Machapuchre und wir genießen es, zurück in der Zivilisation zu sein und das Deepawali-Lichterfest mit zu feiern.

Unseren Trip haben wir in folgendem Video festgehalten. Das Video ist zugegebenermaßen viel zu lang und lässt qualitativ zu Wünschen übrig, aber es zeigt die gesamte Runde und die Trailpassagen können durchaus Lust auf Biken in Nepal machen.

Nepal 2012 – Endless Riding. from Peter Schoen on Vimeo.

 

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